Von Suizidalität spricht man, wenn jemand sich mit dem Gedanken befaßt, sich selbst zu töten. Solche Gedanken kennen sehr viele Menschen, sie treten besonders in schwierigen Lebensphasen, wie z.B. in der Pubertät oder im hohen Alter oder in aktuellen Konfliktsituationen häufig auf. Werden solche Gedanken drängend und quälend, so können die Betroffenen ein Ausmaß an Verzweiflung, Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit erreichen, dass ihnen kein anderer Weg als der Tod möglich erscheint. So z.B. wenn man verlassen wird, wenn eine nahestehende Person schwer krank wird oder stirbt o.ä. Maßgeblich dabei ist nicht so sehr der objektive Schweregrad des äußeren Ereignisses als vielmehr die Intensität, in der das Ereignis subjektiv als nicht zu bewältigen erlebt wird. D.h., es können für Außenstehende relativ geringe Anlässe sein, die aber die Betroffenen als unerträglich erleben. Einerseits wird eine Situation als völlig hoffnungslos empfunden, wobei Selbsttötungsphantasien auftreten, andererseits wird Hoffnung auf Änderung der Befindlichkeit geäußert, wenngleich damit keine konkreten Vorstellungen verbunden sind. So kommt es zu der für Außenstehende manchmal paradox anmutenden Situation, daß solche verzweifelten Menschen einerseits Hilfe aufsuchen, geradezu massiv auf Hilfe drängen, andererseits aber vermitteln, daß sie nur in Ruhe gelassen werden oder auch sterben wollen. Wenn man erst einmal dieses innere ambivalente Erleben und Verhalten etwas besser verstehen kann, ist vielfach Hilfe möglich. So zeigt auch unsere Erfahrung, daß es bei den meisten Suizidgefährdeten weniger darum geht, sterben zu wollen als vielmehr darum, unter den gegebenen Bedingungen nicht mehr leben zu können.

Meist wird der Betroffene zunächst versuchen, sich mehr oder weniger bewußt selbst zu helfen. Dabei kommt es zu Ablenkungen, Aufsuchen von neuen Situationen etc., wenn eine direkte Lösung nicht möglich erscheint. Handelt es sich um gravierendere Probleme, so reichen solche Versuche meistens nicht aus. Bei vielen Menschen führt das Scheitern solcher Selbsthilfeversuche zu Gefühlen von Scham und Versagen. Sie haben große Schwierigkeiten, sich an Außenstehende zu wenden, weil sie sich als gescheitert und schwach erleben und dabei häufig fürchten, von den anderen auch so gesehen, d.h. entwertet zu werden. Gerade in solchen Situationen aber, in denen man nicht mehr alleine weiter weiß, kann es sehr hilfreich sein, sich an Außenstehende zu wenden, die mit dem Problem selbst nichts oder jedenfalls nicht direkt zu tun haben. Dabei ergibt sich von Neuem eine gewisse Spannung: Je vertrauter der Ansprechpartner ist, desto leichter fällt es einem in der Regel, diesen anzusprechen und um Hilfe zu bitten. Eine große Nähe macht es dem Helfer wiederum schwer, einen eigenen, von dem des Hilfesuchenden unabhängigen Standpunkt einzunehmen. Insofern gibt es Situationen, in denen es hilfreich sein kann, sich gerade an Fremde, d.h. professionelle Helfer, zu wenden. Hier ist zwar die Schwelle relativ hoch und die Hemmungen entsprechend groß, diese können aber in vielen Fällen selbst dann noch helfen, wo Freunde und Angehörige sich keinen Rat mehr wissen.

Uns wird oft die Frage gestellt, ist der, der daran denkt, sich das Leben zu nehmen, krank? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Sie berührt die Frage nach dem Krankheitsverständnis. Betrachtet man das beträchtliche psychische Leiden, welches mit der Suizidalität einhergeht, sowie die somatische Symptomatik, dann entspricht dies sicher dem gängigen Verständnis von Krankheit. Auf der anderen Seite empfinden sich viele Menschen, die sich suizidal erleben, vielleicht als leidend, aber nicht als krank. Und in der Tat: Es ist nicht selten schwer bis unmöglich, suizidale Patienten in das "GerüstÓ der Klassifikation psychiatrischer Krankheiten einzuordnen. Suizidalität ist nicht an eine Krankheit im Sinne psychiatrischer Klassifikationen gebunden. Suizidalität an sich würden wir deshalb nicht im engeren Sinne als Krankheit verstehen sondern als Ausdruck einer schwerwiegenden psychischen Krise.

Hilfsmöglichkeiten
In der Bundesrepublik Deutschland gibt es in vielen Städten und Gemeinden unterschiedliche Hilfsangebote für Menschen in Krisensituationen und solche, die an Selbsttötung denken:

Vertraute "Amtspersonen"
Hier wären v.a. Pastoren sowie andere Angehörige von Kirchen oder Hilfsorganisationen zu nennen.

Telefonseelsorge
Es sind Ansprechpartner, die man zu günstigen Ortstarifen oder kostenlos telefonisch häufig rund um die Uhr erreichen kann. Dort arbeiten meist freiwillige Helfer, die in Ausbildungslehrgängen qualifiziert wurden.

Beratungsstellen
Dort arbeiten professionelle Helfer, meistens Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Diplom-Psychologen. Beratungsstellen gibt es in vielen Städten und Landkreisen, und sie werden durch verschiedene Träger finanziert ( Staat, Kirche, Wohlfahrtsverbände u.a.). Die Beratung ist in der Regel kostenlos und manchmal auch auf bestimmte Personenkreise begrenzt. Die Beratungsstellen arbeiten gewöhnlich in der normalen Arbeitszeit, sind also nachts und am Wochenende nicht zu erreichen.

Niedergelassene Ärzte und Psychologen
Hier erfolgt eine Beratung oder Behandlung auf Kosten der Krankenkassen, vorausgesetzt, der Hilfesuchende ist krankenversichert und der Praxisinhaber ist ein sogenannter "Vertragsarzt" oder "Vertragspsychologe", oder die Behandlung erfolgt privat.

Psychiatrische und Allgemeinkrankenhäuser
Diese sind häufig als Einzige imstande, rund um die Uhr Hilfe anzubieten, also auch abends und nachts.


Suizide, Suizidversuche Suizidalität- Daten und Fakten
(pdf-dokument 468 kb!)

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