Meist wird der Betroffene zunächst versuchen, sich mehr oder weniger bewußt selbst zu helfen. Dabei kommt es zu Ablenkungen, Aufsuchen von neuen Situationen etc., wenn eine direkte Lösung nicht möglich erscheint. Handelt es sich um gravierendere Probleme, so reichen solche Versuche meistens nicht aus. Bei vielen Menschen führt das Scheitern solcher Selbsthilfeversuche zu Gefühlen von Scham und Versagen. Sie haben große Schwierigkeiten, sich an Außenstehende zu wenden, weil sie sich als gescheitert und schwach erleben und dabei häufig fürchten, von den anderen auch so gesehen, d.h. entwertet zu werden. Gerade in solchen Situationen aber, in denen man nicht mehr alleine weiter weiß, kann es sehr hilfreich sein, sich an Außenstehende zu wenden, die mit dem Problem selbst nichts oder jedenfalls nicht direkt zu tun haben. Dabei ergibt sich von Neuem eine gewisse Spannung: Je vertrauter der Ansprechpartner ist, desto leichter fällt es einem in der Regel, diesen anzusprechen und um Hilfe zu bitten. Eine große Nähe macht es dem Helfer wiederum schwer, einen eigenen, von dem des Hilfesuchenden unabhängigen Standpunkt einzunehmen. Insofern gibt es Situationen, in denen es hilfreich sein kann, sich gerade an Fremde, d.h. professionelle Helfer, zu wenden. Hier ist zwar die Schwelle relativ hoch und die Hemmungen entsprechend groß, diese können aber in vielen Fällen selbst dann noch helfen, wo Freunde und Angehörige sich keinen Rat mehr wissen.
Uns wird oft die Frage gestellt, ist der, der daran denkt, sich das Leben zu nehmen, krank? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Sie berührt die Frage nach dem Krankheitsverständnis. Betrachtet man das beträchtliche psychische Leiden, welches mit der Suizidalität einhergeht, sowie die somatische Symptomatik, dann entspricht dies sicher dem gängigen Verständnis von Krankheit. Auf der anderen Seite empfinden sich viele Menschen, die sich suizidal erleben, vielleicht als leidend, aber nicht als krank. Und in der Tat: Es ist nicht selten schwer bis unmöglich, suizidale Patienten in das "GerüstÓ der Klassifikation psychiatrischer Krankheiten einzuordnen. Suizidalität ist nicht an eine Krankheit im Sinne psychiatrischer Klassifikationen gebunden. Suizidalität an sich würden wir deshalb nicht im engeren Sinne als Krankheit verstehen sondern als Ausdruck einer schwerwiegenden psychischen Krise.
Hilfsmöglichkeiten
In der Bundesrepublik Deutschland gibt es in vielen Städten und Gemeinden unterschiedliche Hilfsangebote für Menschen in Krisensituationen und solche, die an Selbsttötung denken:
Vertraute "Amtspersonen"
Hier wären v.a. Pastoren sowie andere Angehörige von Kirchen oder Hilfsorganisationen zu nennen.
Telefonseelsorge
Es sind Ansprechpartner, die man zu günstigen Ortstarifen oder kostenlos telefonisch häufig rund um die Uhr erreichen kann. Dort arbeiten meist freiwillige Helfer, die in Ausbildungslehrgängen qualifiziert wurden.
Beratungsstellen
Dort arbeiten professionelle Helfer, meistens Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Diplom-Psychologen. Beratungsstellen gibt es in vielen Städten und Landkreisen, und sie werden durch verschiedene Träger finanziert ( Staat, Kirche, Wohlfahrtsverbände u.a.). Die Beratung ist in der Regel kostenlos und manchmal auch auf bestimmte Personenkreise begrenzt. Die Beratungsstellen arbeiten gewöhnlich in der normalen Arbeitszeit, sind also nachts und am Wochenende nicht zu erreichen.
Niedergelassene Ärzte und Psychologen
Hier erfolgt eine Beratung oder Behandlung auf Kosten der Krankenkassen, vorausgesetzt, der Hilfesuchende ist krankenversichert und der Praxisinhaber ist ein sogenannter "Vertragsarzt" oder "Vertragspsychologe", oder die Behandlung erfolgt privat.
Psychiatrische und Allgemeinkrankenhäuser
Diese sind häufig als Einzige imstande, rund um die Uhr Hilfe anzubieten, also auch abends und nachts.
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